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Brexit und Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt

Folgen des Brexit für den deutschen Arbeitsmarkt und als Student

Mit dem Ergebnis der Volksabstimmung vom 23. Juni 2016 steht fest: Großbritannien will der EU den Rücken kehren. Sollte das rechtlich nicht bindende Votum der britischen Wähler politisch umgesetzt werden, sind hiervon nicht nur die Briten selbst betroffen. Deutschland, als eines der wichtigsten Länder der EU und bedeutender Handelspartner Großbritanniens wird Auswirkungen auf dem eigenen Arbeitsmarkt zu spüren bekommen. Auch als deutscher Student wird ein Aufenthalt auf den britischen Inseln schwieriger als bisher.

Unsicherheit herrscht in beiden Ländern

Unsichere Zukunft für den Arbeitsmarkt durch den BrexitWelche Auswirkungen der Brexit tatsächlich mit sich bringen wird, ist derzeit noch relativ unklar. Derzeit zeichnet sich ab, dass in der EU die Meinung vorherrscht, dass der Austritt Großbritanniens aus der politischen Union so schnell wie möglich auf rechtlich sicherer Basis verhandelt werden sollte, um in den nächsten Monaten die Unwägbarkeiten für Politik und Wirtschaft möglichst gering zu halten. Das Interesse der Politik in Großbritannien steht diesem Wunsch jedoch entgegen. 

Aufgrund der fehlenden Konzepte der Befürworter des Brexit gibt es derzeit keine Partei im Land, die eine federführende Rolle für die Brexit-Verhandlungen schnell zu einem Ergebnis bringen könnte. Das Land ist innerhalb der großen politischen Parteien ebenso gespalten wie in der Bevölkerung. Damit bleiben die Auswirkungen des Brexit auf den Euro und den Arbeitsmarkt in Deutschland zunächst unklar - einige Tendenzen lassen sich jedoch bereits ablesen oder mit erheblicher Wahrscheinlichkeit voraussagen.

Erwartungen der Industrie

Etwa 2500 deutsche Unternehmen haben nicht nur Handelsbeziehungen zu Großbritannien, sondern betreiben dort eigene Filialen, in den produziert oder geforscht wird. In einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung, die kurz vor demBrexit vorgestellt wurde, wurden diese Unternehmen zu den erwarteten Auswirkungen des Brexit auf die Arbeit ihres Unternehmens befragt. 
Hier zeichnet sich ein deutlich pessimistisches Bild ab. Mehr als die Hälfte der Unternehmen geht quer durch alle Branchen davon aus, dass sich der Ausstieg aus der EU für die Arbeitsplatzsituation in Großbritannien deutlich negativ auswirken wird. Besonders betroffen wird hiervon der Arbeitsmarkt im Finanzsektor und in der IT sein. Auch für die Umsätze des eigenen Unternehmens entsteht ein negatives Bild. 40 Prozent der Unternehmen werden nicht mehr oder auf erheblich geringerem Niveau investieren, 38 Prozent der Unternehmen planen, Stellen in Großbritannien zu streichen oder sie in andere Länder zu verlagern.
Als größten Vorteil sieht die Mehrheit der Unternehmen den uneingeschränkten Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Sollte dieser für Großbritannien wegfallen, wird der Wirtschaftsstandort dementsprechend unattraktiv.

Kurzfristige Auswirkungen des Brexit auf den Arbeitsmarkt

Auch die Arbeit in Deutschland wird direkt oder indirekt durch die Folgen des Brexit betroffen. Bei Unternehmen, deren Produktion teilweise in Großbritannien stattfindet, ist durch mögliche Einfuhrzölle von der Insel in die EU zu erwarten, dass der Gewinn entsprechend abnimmt. Durch die deutliche Schwächung des britischen Pfunds sinken auch bei den Exporten die Gewinnmargen deutlich. Mit einem Außenhandelsumsatz von mehr als 150 Milliarden Euro gehört Großbritannien zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands, damit sind die Folgen für das innerdeutsche Wirtschaftswachstum gravierend.
Auch wenn sich am rechtlichen Status innerhalb der EU und damit auch auf den Arbeitsmarkt bis zum Ende der Austrittsverhandlungen formal noch nichts ändert, dürfte die schwache Binnenkonjunktur in Großbritannien für einen sinkenden Absatzmarkt sorgen.

Mittelfristige Auswirkungen des Brexit auf den Arbeitsmarkt

Bereits wenige Tage nach dem Referendum zeichnen sich Auswirkungen auf die Arbeit und den Arbeitsmarkt ab, die auch Deutschland betreffen. Neben dem massiven Rückgang von Investitionen auf den britischen Inseln sind vor allem die Personalplanungen von Global Playern, die hier auffallen. Mit JP Morgan und Goldman Sachs haben bereits zwei Großbanken angekündigt, massiv Stellen auf London in den Euro-Raum zu verlegen. Grund hierfür ist der für Finanztransaktionen dringend notwendige uneingeschränkte Zugang zum EU-Binnenmarkt. Bei den beiden ersten Unternehmen, die einen Rückzug aus England ankündigten, ist von 2000 beziehungsweise bis zu 6000 Stellen die Rede. Analysten erwarten, dass viele Banken einen Umzug nach Frankfurt, dem zweitgrößten Handelsplatz im europäischen Finanzwesen, erwägen. Alternativ werden auch Dublin und Paris als Standorte für die Arbeit in der Finanzwelt ins Spiel gebracht. 
Andere europaweit tätige Unternehmen wie Airbus erwägen inzwischen auch, zukünftig Arbeit und Forschung nicht mehr in Großbritannien, sondern an den Kernstandorten Frankreich und Deutschland anzusiedeln.
Neben diesen für Deutschland positiven Aspekten werden aber auch negative Auswirkungen befürchtet. Durch den Wegfall des Exports geht man derzeit von einer mittelfristigen Absenkung des Wirtschaftswachstums in Deutschland von bis zu einem Prozent aus. Dies dürfte nicht ohne Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bleiben.

Langfristige Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Welche Folgen der Brexit langfristig haben wird, ist derzeit nur schwer vorherzusehen. Da gute und reibungslose Handelsbeziehungen zur Europäischen Union auch für Großbritannien von vitalem Interesse sind, wird erwartet, dass bilaterale Verträge zwischen der EU und den Briten zu einem ähnlichen Status wie bei Norwegen und der Schweiz führen. Zwar sind beide Länder nicht Mitglied im europäischen Wirtschaftsgefüge, den Zugang zur EU erhalten sie jedoch weitgehend uneingeschränkt durch den Abschluss von entsprechenden Freihandels- und Freizügigkeitsabkommen.

Als Student in Großbritannien: Nach dem Brexit kann es teuer werden

Börsencrash versichert den europäischen ArbeitsmarktAuch wer nicht zur Arbeit, sondern für das Studium nach Großbritannien möchte, muss sich auf höhere Hürden einstellen. War es bisher als Student relativ leicht und vor allem verhältnismäßig günstig möglich, in England zu studieren, dürften diese Vergünstigungen in Zukunft gefährdet sein. Die für EU-Mitglieder stark abgesenkten Studiengebühren in Großbritannien basieren auf Verträgen der Europäischen Union. Künftig muss man als Student also mit der Entrichtung der erheblich höheren Gebühren für ausländische Studierende rechnen. Eine Alternative bildet jedoch weiterhin das Erasmus-Programm. Mit diesem kann man als Student in zahlreichen europäischen Ländern ein Auslands-Semester absolvieren - und Erasmus ist nicht an die Mitgliedschaft in der EU gekoppelt.

 
 
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